Caritasverband für die Region Rhein-Hunsrück-Nahe - Simmern - Visionen


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Denkanstöße
Meditation
Visionen
Passage aus dem Korinther-Brief
Jahreskampagne 2010
Jahreskampagne 2009
Fixpunkt: Januar 2012
Fixpunkt: Herbst 2011
Fixpunkt: Frühjahr 2011
Fixpunkt: Advent 2010
Fixpunkt: Herbst 2009
Soziale Eiszeit
Denkanstöße

Im Juli 2003 war die Kreativität der Caritas-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter auf einem für viele noch neuen Terrain gefordert. Sie entwickelten ihre oftmals vom eigenen fachlichen Hintergrund inspirierten Visionen in Gedichtform.
Das Gedicht entstand in Ko-Autorschaft von Geschäftsführung, Gemeindecaritas, Aussiedlerberatung und Schwangerenberatung/ASD. Da verwundert es kaum, dass die "Visionen für den Rhein-Hunsrück-Kreis" Sozialpolitik oder Sozialraumorientierung ebenso behandeln wie multikulturelles Miteinander und familiäre Situationen. "Nicht mehr und nicht weniger."




Visionen für den Rhein-Hunsrück-Kreis


Ich träume mir ein Land,
da gibt es neben B 50, Mittelrheinbrücke und Hahn
auch sozialpolitische Visionen.
Die Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück kann trotz fehlender Millionen
strategische Schwerpunkte im Sinne benachteiligter Kinder, Familien oder Senioren setzen
und innovative, vor allem, präventive Projekte verfolgen.
In Politik, Verwaltungen, Presse und Freundeskreisen
besteht (weiterhin) kein Klima für Stammtischparolen,
im Vordergrund steht der Konsens um die gesellschaftliche Verantwortung
und nicht die Schuldzuweisung.
Jede Entscheidung unterliegt dem TÜV-Kriterium "Familienfreundlichkeit"
und dazu gibt es auch Umschichtungen der Finanzmittel in den Ressorts.
In 10 Jahren werden Frauen paritätisch an vorderster Front in Politik, Wirtschaft und Management stehen,
...und auch dies bedeutet eine Stärkung der sozialen Sichtweisen.
Der Verschiebebahnhof der Zuständigkeiten nimmt langsam ein Ende,
denn im Mittelpunkt steht nicht mehr der "Topf der Finanzierung"
vielmehr ist die Not-wendig-keit genügend Anlass zum Handeln.
Nicht mehr und nicht weniger.

Ich träume mir ein Land,
da ist der Rhein-Hunsrück-Kreis Vorreiter.
Die Bundespräsidentin hat den 1. Preis im Wettbewerb "Vorbildliche soziaraumorientierte Wirtschaftsförderung" verliehen.
Menschen, die nicht hoch qualifiziert sind in IT, Service oder Handwerk haben wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt.
Denn die wirtschaftlichen Kriterien ändern sich,
da denken Entscheider in Betrieben, Kommunen und Institutionen nicht nur betriebs- sondern auch volkswirtschaftlich.
Man hat erkannt:
Es ist besser "Kehrmenschen" zu vergüten als in Kehrmaschinen zu investieren.
Denn die Menschen, die entwickeln Selbstbewusstsein, sind nicht von Sozialhilfe abhängig und investieren, kurbeln damit die Wirtschaft an.
Und Maschinen,...Maschinen machen nur sauber.
Somit hat jeder die Chance, mit seinen Fähigkeiten, zu einer Bereicherung für die Gesellschaft zu werden.
Nicht mehr und nicht weniger.

Ich träume mir ein Land,
da reden die Menschen in vielen Sprachen
und keine ist mehr oder weniger wert.
Da gibt es Kulturen und Religionen nebeneinander
und Fremdes wird nicht ausgeschlossen.
Und in Simmern gibt es eine Moschee, die laut sein darf
und der Klang wird uns vertraut werden;
genauso wie Kirchenglocken zum Gottesdienst einladen.
Nicht mehr und nicht weniger.

Ich träume mir ein Land,
da haben alle Menschen gleiche Möglichkeiten
und keiner wird ausgegrenzt.
Da gibt es ein Miteinander in Politik und Gesellschaft
und niemandem wird dazu der Mut genommen.
Und z
.B. in Büchenbeuren und Sohren sind Aussiedler in Parteien und Gremien vertreten
und setzen sich für ihre Interessen ein.
Genauso wie andere ihre Interessen vertreten.
Nicht mehr und nicht weniger.

Ich träume mir ein Land,
da stellt das Fremde keine Gefahr dar
und keiner wird als Last empfunden.
Da gibt es ein voneinander lernen und ein einander verstehen
und auf unseren Verbandsgemeinden werden Briefe und Bescheide geschrieben
und den Inhalt verstehen wir.
Genauso wie wir uns auch über Sympathie und das Lachen verstehen können.
Nicht mehr und nicht weniger.

Ich träume mir ein Land,
da gibt es viele Kinder in allen Hautfarben und Sprachen
und Familien mit Mutter und Vater oder allein Erziehend
keine Familie ist mehr oder weniger Wert.
Da gibt es Tagesstätten für die Kleinstkinder in allen Verbandsgemeinden
und Arbeiten gehen ist für Frauen  damit möglich geworden.
Und in jeder Verbandsgemeinde entsteht ein Haus des Kindes
wo für jedes Alter Angebote entstehen
und Kinderlärm übertönt den Straßenlärm.
Nicht mehr und nicht weniger.

Ich träume mir ein Land,
da werden Eltern unterstützt - und Eltern lassen sich unterstützen
.
Da ist es anerkannt, dass Erziehung nicht leicht ist,
da wirken z
.B. Schule, Kirche, Kindergarten und Beratungsstelle gemeinsam
und stehen mit Rat und Tat zur Seite
.
Da gibt es Eheseminare und Taufgespräche,
in denen Pfarrer und Beratungsstelle zusammenwirken, um Menschen stark zu machen
.
Und trotzdem ist es normal - bei aller Unterstützung -
das Lebensentwürfe scheitern
.
Und z
.B. in Kümbdchen und Buch, Unzenberg und Buchholz
ist Kirche und Gemeinde an der Seite der Menschen bei Trauer und Scheidung, Krankheit und Schulden
.
Dies wird genommen als Realität des Lebens
.
Nicht mehr und nicht weniger
.

Ich träume mir ein Land,
da gibt es im Rhein-Hunsrück-Kreis Kinderhotels,
da sind Kinder am Wochenende oder in den Ferien
- vielleicht mit ehrenamtlicher Unterstützung - gut untergebracht
.
Diese bieten Vätern und Müttern Sicherheit und
diese bieten Gelegenheit zu zweit, als Paar, die Beziehung zu pflegen,
Kraft zu tanken für das Familienleben
.
Ebenso bietet es Gelegenheit auch in den Schulferien arbeiten zu können
- ohne Stress und schlechtes Gewissen
.
Dies wäre eine Revolution
.
Nicht mehr und nicht weniger
.

Ich träume mir ein Land,
da ist Schule ein Ort von intellektuellem, sozialem und kulturellem Lernen,
ein Ort der Begegnung, Kreativität und Freude,
ein Ort, an dem Persönlichkeiten heranwachsen, die Eigenverantwortung genauso lernen wie soziale Toleranz,
die in ihren individuellen Fähigkeiten gesehen, gefördert und Wert geschätzt werden.
Da werden z
.B.in Bad Salzig, Bell, Bärenbach und Utzenhain
junge Menschen in ihrer Persönlichkeit so gestärkt, dass sie Orientierung im Verführungsdschungel der Konsumgesellschaft finden,
wo Drogen Alkohol und Gewalt kein Ersatz für fehlenden Selbstwert bilden,
wo Jugendliche ihre Unsicherheiten nicht durch Handys, Markenklamotten,
Statussymbole und die damit verbundenen Schuldenfallen kompensieren,
sondern ihre individuelle Persönlichkeit entwickeln und ins Leben stellen.
Nicht mehr und nicht weniger.

Ich träume mir ein Land,
da stehen kleine Schulen z
.B. in Dellhofen, Alterkülz, Mastershausen und Heinzenbach,
in denen die Klassengröße eine Lernatmosphäre zulässt, die solche Ziele verwirklichen lässt,
in denen sich nicht nur die Lehrer und Schüler untereinander kennen,
sondern auch das soziale Umfeld der Kinder und Jugendlichen für die Pädagogen überschaubar ist.
Schulen mit ausreichendem Raum und Zeit für den offenen Austausch
zwischen Lehrern, Schülern und Eltern.
Schulen, in denen die Akzeptanz und Einbindung von Schülern unterschiedlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten selbstverständlich sind.
Schulen, in denen man allumfassend lernt die Würde des Menschen - groß oder klein, lernend oder lehrend, stärker oder schwächer - zu achten,
wo Einschätzung gelernt wird und Abwertung unterbleibt.
Nicht mehr und nicht weniger.

Ich träume mir ein Land,
da gibt es lauter Dörfer, die vor Leben sprühen,
da stehen z
.B. in Horn oder Bickenbach, Badenhard oder Hirschfeld
Bänke vor den Häusern, auf denen Alte sich ausruhen,
Junge gesellen sich dazu und sie erzählen miteinander
.
Dadurch ist niemand allein und Alte und Junge, Mütter und Väter können sagen:
"Du, ich brauch‘ mal Deine Hilfe...“ und niemand muss sich schämen
.
Und bei schlechterem Wetter verlagert sich der Talk in den Tante Emma Laden
.
Der hat sein Gesicht verändert
.
Da kann man nicht nur kaufen, sondern auch sitzen,
da treffen sich Alleinstehende zum Mittagessen und
da gibt es Platz zum Feiern,
denn der Tante Emma Laden ist im Gemeindehaus untergebracht
und somit ist Besitzern und Gemeinde geholfen
.
Nicht mehr und nicht weniger
.

Ich träume mir ein Land,
da ist es viel seltener notwendig, dass professionelle Hilfe "eingeflogen" wird
.
Denn z
.B. in Laubach oder Beltheim, Weiler oder Hahn
gibt es ein Netzwerk "Leben im Dorf" - das noch nicht mal so heißt, denn es läuft automatisch
.
Da gibt es Gespräche von Mann zu Mann z
.B. über das Trinken von Alkohol
oder Gewalt in der Familie.
Da sind die Alten gefragt bei der Unterstützung der Mütter und Väter,
da gibt es Fahrgemeinschaften und selbst organisierte Krabbelgruppen
.
Da werden Einsame zum Essen geladen
und Bürgermeister und Pastor unterstützen diese Beziehungen,
geben Anstöße und tragen Sorge für die Gemeinschaft
.
Nicht mehr und nicht weniger
.

Ich träume mir ein Land,
da ist es normal, anders zu sein,
da fällt es plötzlich auf,
dass Menschen es gar nicht mehr nötig haben, andere zu beurteilen
.
z
.B. in Reich oder Kappel, Laufersweiler oder Dörth
ist es egal, ob jemand schwarz oder weiß,
homo oder hetero, dick oder dünn, reich oder arm, laut oder leise ist
.
Da gibt es Akzeptanz für jeden,
da wird Platz eingeräumt
für laute Musik und verwirrte Selbstgespräche,
für spielende Kinder und bunte Vögel
.
Dadurch entsteht automatisch Rücksichtnahme
und Nachbarschaftsstreitigkeiten lassen nach
.
Nicht mehr und nicht weniger
.

Ich träume mir ein Land,
da ist Selbstverantwortung groß geschrieben
.
Da leben Menschen z
.B. in Schwarzen oder Ebschied, Halsenbach oder St. Goar,
die nehmen ihr Leben in die Hand
.
Sie planen und rechnen,
pflegen ihre Beziehungen und halten sich fit,
die gründen Selbsthilfeinitiativen und kennen ihre Grenzen
.
Sie nutzen ihre Fähigkeiten und geben sich nicht auf
.
Sie gestalten ihr Leben
.
Nicht mehr und nicht weniger
.

(Birgitta Bauer, Ilona Besha, Angelika Hillingshäuser, Karin Suppus)