|
Ich träume mir ein Land, da gibt es neben B 50, Mittelrheinbrücke und Hahn auch sozialpolitische Visionen. Die Kreisverwaltung Rhein-Hunsrück kann trotz fehlender Millionen strategische Schwerpunkte im Sinne benachteiligter Kinder, Familien oder Senioren setzen und innovative, vor allem, präventive Projekte verfolgen. In Politik, Verwaltungen, Presse und Freundeskreisen besteht (weiterhin) kein Klima für Stammtischparolen, im Vordergrund steht der Konsens um die gesellschaftliche Verantwortung und nicht die Schuldzuweisung. Jede Entscheidung unterliegt dem TÜV-Kriterium "Familienfreundlichkeit" und dazu gibt es auch Umschichtungen der Finanzmittel in den Ressorts. In 10 Jahren werden Frauen paritätisch an vorderster Front in Politik, Wirtschaft und Management stehen, ...und auch dies bedeutet eine Stärkung der sozialen Sichtweisen. Der Verschiebebahnhof der Zuständigkeiten nimmt langsam ein Ende, denn im Mittelpunkt steht nicht mehr der "Topf der Finanzierung" vielmehr ist die Not-wendig-keit genügend Anlass zum Handeln. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich träume mir ein Land, da ist der Rhein-Hunsrück-Kreis Vorreiter. Die Bundespräsidentin hat den 1. Preis im Wettbewerb "Vorbildliche soziaraumorientierte Wirtschaftsförderung" verliehen. Menschen, die nicht hoch qualifiziert sind in IT, Service oder Handwerk haben wieder eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Denn die wirtschaftlichen Kriterien ändern sich, da denken Entscheider in Betrieben, Kommunen und Institutionen nicht nur betriebs- sondern auch volkswirtschaftlich. Man hat erkannt: Es ist besser "Kehrmenschen" zu vergüten als in Kehrmaschinen zu investieren. Denn die Menschen, die entwickeln Selbstbewusstsein, sind nicht von Sozialhilfe abhängig und investieren, kurbeln damit die
Wirtschaft an. Und Maschinen,...Maschinen machen nur sauber. Somit hat jeder die Chance, mit seinen Fähigkeiten, zu einer Bereicherung für die Gesellschaft zu werden. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich träume mir ein Land, da reden die Menschen in vielen Sprachen und keine ist mehr oder weniger wert. Da gibt es Kulturen und Religionen nebeneinander und Fremdes wird nicht ausgeschlossen. Und in Simmern gibt es eine Moschee, die laut sein darf und der Klang wird uns vertraut werden; genauso wie Kirchenglocken zum Gottesdienst einladen. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich träume mir ein Land, da haben alle Menschen gleiche Möglichkeiten und keiner wird ausgegrenzt. Da gibt es ein Miteinander in Politik und Gesellschaft und niemandem wird dazu der Mut genommen. Und z.B. in Büchenbeuren und Sohren sind Aussiedler in Parteien und Gremien vertreten und setzen sich für ihre Interessen ein. Genauso wie andere ihre Interessen vertreten. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich träume mir ein Land, da stellt das Fremde keine Gefahr dar und keiner wird als Last empfunden. Da gibt es ein voneinander lernen und ein einander verstehen und auf unseren Verbandsgemeinden werden Briefe und Bescheide geschrieben und den Inhalt verstehen wir. Genauso wie wir uns auch über Sympathie und das Lachen verstehen können. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich träume mir ein Land, da gibt es viele Kinder in allen Hautfarben und Sprachen und Familien mit Mutter und Vater oder allein Erziehend keine Familie ist mehr oder weniger Wert. Da gibt es Tagesstätten für die Kleinstkinder in allen Verbandsgemeinden und Arbeiten gehen ist für Frauen damit möglich geworden. Und in jeder Verbandsgemeinde entsteht ein Haus des Kindes wo für jedes Alter Angebote entstehen und Kinderlärm übertönt den Straßenlärm. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich träume mir ein Land, da werden Eltern unterstützt - und Eltern lassen sich unterstützen. Da ist es anerkannt, dass Erziehung nicht leicht ist, da wirken z.B. Schule, Kirche, Kindergarten und Beratungsstelle gemeinsam und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Da gibt es Eheseminare und Taufgespräche, in denen Pfarrer und Beratungsstelle zusammenwirken, um Menschen stark zu machen. Und trotzdem ist es normal - bei aller Unterstützung - das Lebensentwürfe scheitern. Und z.B. in Kümbdchen und Buch, Unzenberg und Buchholz ist Kirche und Gemeinde an der Seite der Menschen bei Trauer und Scheidung, Krankheit und Schulden. Dies wird genommen als Realität des Lebens. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich träume mir ein Land, da gibt es im Rhein-Hunsrück-Kreis Kinderhotels, da sind Kinder am Wochenende oder in den Ferien - vielleicht mit ehrenamtlicher Unterstützung - gut untergebracht. Diese bieten Vätern und Müttern Sicherheit und diese bieten Gelegenheit zu zweit, als Paar, die Beziehung zu pflegen, Kraft zu tanken für das Familienleben. Ebenso bietet es Gelegenheit auch in den Schulferien arbeiten zu können - ohne Stress und schlechtes Gewissen. Dies wäre eine Revolution. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich träume mir ein Land, da ist Schule ein Ort von intellektuellem, sozialem und kulturellem Lernen, ein Ort der Begegnung, Kreativität und Freude, ein Ort, an dem Persönlichkeiten heranwachsen, die Eigenverantwortung genauso lernen wie soziale Toleranz, die in ihren individuellen Fähigkeiten gesehen, gefördert und Wert geschätzt werden. Da werden z.B.in Bad Salzig, Bell, Bärenbach und Utzenhain junge Menschen in ihrer Persönlichkeit so gestärkt, dass sie Orientierung im Verführungsdschungel der Konsumgesellschaft finden, wo Drogen Alkohol und Gewalt kein Ersatz für fehlenden Selbstwert bilden, wo Jugendliche ihre Unsicherheiten nicht durch Handys, Markenklamotten, Statussymbole und die damit verbundenen Schuldenfallen kompensieren, sondern ihre individuelle Persönlichkeit entwickeln und ins Leben stellen. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich träume mir ein Land, da stehen kleine Schulen z.B. in Dellhofen, Alterkülz, Mastershausen und Heinzenbach, in denen die Klassengröße eine Lernatmosphäre zulässt, die solche Ziele verwirklichen lässt, in denen sich nicht nur die Lehrer und Schüler untereinander kennen, sondern auch das soziale Umfeld der Kinder und Jugendlichen für die Pädagogen überschaubar ist. Schulen mit ausreichendem Raum und Zeit für den offenen Austausch zwischen Lehrern, Schülern und Eltern. Schulen, in denen die Akzeptanz und Einbindung von Schülern unterschiedlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten selbstverständlich
sind. Schulen, in denen man allumfassend lernt die Würde des Menschen - groß oder klein, lernend oder lehrend, stärker oder schwächer
- zu achten, wo Einschätzung gelernt wird und Abwertung unterbleibt. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich träume mir ein Land, da gibt es lauter Dörfer, die vor Leben sprühen, da stehen z.B. in Horn oder Bickenbach, Badenhard oder Hirschfeld Bänke vor den Häusern, auf denen Alte sich ausruhen, Junge gesellen sich dazu und sie erzählen miteinander. Dadurch ist niemand allein und Alte und Junge, Mütter und Väter können sagen: "Du, ich brauch mal Deine Hilfe... und niemand muss sich schämen. Und bei schlechterem Wetter verlagert sich der Talk in den Tante Emma Laden. Der hat sein Gesicht verändert. Da kann man nicht nur kaufen, sondern auch sitzen, da treffen sich Alleinstehende zum Mittagessen und da gibt es Platz zum Feiern, denn der Tante Emma Laden ist im Gemeindehaus untergebracht und somit ist Besitzern und Gemeinde geholfen. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich träume mir ein Land, da ist es viel seltener notwendig, dass professionelle Hilfe "eingeflogen" wird. Denn z.B. in Laubach oder Beltheim, Weiler oder Hahn gibt es ein Netzwerk "Leben im Dorf" - das noch nicht mal so heißt, denn es läuft automatisch. Da gibt es Gespräche von Mann zu Mann z.B. über das Trinken von Alkohol oder Gewalt in der Familie. Da sind die Alten gefragt bei der Unterstützung der Mütter und Väter, da gibt es Fahrgemeinschaften und selbst organisierte Krabbelgruppen. Da werden Einsame zum Essen geladen und Bürgermeister und Pastor unterstützen diese Beziehungen, geben Anstöße und tragen Sorge für die Gemeinschaft. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich träume mir ein Land, da ist es normal, anders zu sein, da fällt es plötzlich auf, dass Menschen es gar nicht mehr nötig haben, andere zu beurteilen. z.B. in Reich oder Kappel, Laufersweiler oder Dörth ist es egal, ob jemand schwarz oder weiß, homo oder hetero, dick oder dünn, reich oder arm, laut oder leise ist. Da gibt es Akzeptanz für jeden, da wird Platz eingeräumt für laute Musik und verwirrte Selbstgespräche, für spielende Kinder und bunte Vögel. Dadurch entsteht automatisch Rücksichtnahme und Nachbarschaftsstreitigkeiten lassen nach. Nicht mehr und nicht weniger.
Ich träume mir ein Land, da ist Selbstverantwortung groß geschrieben. Da leben Menschen z.B. in Schwarzen oder Ebschied, Halsenbach oder St. Goar, die nehmen ihr Leben in die Hand. Sie planen und rechnen, pflegen ihre Beziehungen und halten sich fit, die gründen Selbsthilfeinitiativen und kennen ihre Grenzen. Sie nutzen ihre Fähigkeiten und geben sich nicht auf. Sie gestalten ihr Leben. Nicht mehr und nicht weniger.
|
|