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erinnern Sie sich an das Motto "Soziale Manieren", das im vergangenen Jahr die Jahreskampagne des Deutschen Caritasverbandes
bestimmte? Damals waren vor allem durch Armut ausgegrenzte Menschen im Blick. In diesem Jahr greift die Teilhabeinitiative eine neue Perspektive auf und stellt "Experten fürs Leben" in den Mittelpunkt.
Heutzutage wird viel von "Überalterung der Gesellschaft", vom demographischen Wandel oder der Rentnerrepublik geredet und
geschrieben. Damit sind immer Belastung, Überforderung und zu hohe Kosten gemeint. Dabei sprechen wir von Menschen, die z.B. unsere Demokratie, unser Gemeinwesen, unsere Vereinslandschaft, unsere Kirchengemeinden,
unser Bildungswesen oder unsere Sozialsysteme aufgebaut haben. Welch eine einseitige, negative und ungerechtfertigte Sichtweise! Die Caritaskampagne setzt einen Kontrapunkt dazu. Demnächst hängen an mehreren Gebäuden im Kreis große Plakate, auf denen
ältere Menschen Sie anlächeln und sich Ihnen als Experten anbieten: für Lebensfreude, bei Lebenskrisen, für Sonntagsbraten
oder bei Liebeskummer. Diese Experten suchen Rollstuhlschieber, Briefeschreiber, Zuhörer und Ausgehhilfen. Das heißt also, Menschen, die etwas zu bieten haben, benötigen Unterstützung. Aber umgekehrt heißt dies auch, dass helfende
Menschen etwas "zurückbekommen". "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst".All zu oft liegt das in den Plakaten angesprochene
Erfahrungswissen brach.
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Als uns die Kampagne vorgestellt wurde, habe ich gleich an meine beiden Großmütter gedacht. Beide waren Kriegerwitwen, beide
haben ihre Kinder alleine großgezogen, beide haben lange in ärmlichen Verhältnissen gelebt und beide haben auf ihre Art und
Weise ihr Leben "neu in die Hand genommen". Eine ist 82, die andere 93 geworden. Ich habe von beiden sehr viel gelernt: Armer Ritter, Graupen- oder Rindfleischsuppe und Marmeladen kochen, Hefekuchen und
Steinbackkofenbrot backen, Stricken, Häkeln, Sticken, Occhispitzen, Melodica- und Flöte spielen, Kegeln, Dichten, über die
heilsame Wirkung von Humor, geriebenen Apfel, Zwiebeltee und Quarkwickeln, dass man Fallobst wunderbar verarbeiten kann, die
Bedeutung von Familienzusammenhalt, Freundschaften und Reiselust, wie depressive Phasen und Krankheiten überwunden werden
können, Bescheidenheit und Lebensfreude, dass das Leben nicht in geraden Bahnen verläuft und trotzdem lebenswert ist, dass
die Liebe zu Menschen größer als alle Trauer sein kann, dass...
Und ein Satz aus dem Eifler Dialekt geht mir nie aus dem Kopf: "Ma doarf seich net begänn!" (Man darf sich nicht aufgeben).
Natürlich prägt mich kaum jemand aus der älteren Generation wie die Großeltern. Da ist aber auch die Nachbarin, die mir Geschichten
von früher erzählt und mir die "Haushalte" aus dem Dorf erklärt, so dass ich mich in meiner neuen Heimat ein wenig besser
auskenne, oder der Nachbar, der mich darauf aufmerksam macht, wie ich am besten die Rosen beschneide, die dann plötzlich wieder
herrlich blühen. Ich muss es nur zulassen, dass sie zu Experten für mein Leben werden!' Und wenn ich dies zulasse, fällt es den Älteren auch leichter, sich von mir die Einkaufstüte tragen, die Mülltonne raus schieben
oder die Blumen gießen zu lassen. Ältere Menschen sind Teil unserer Gesellschaft und sollen sich auch als solche erfahren,
denn dabei sein ist alles. Lassen sie uns aufeinander zu bewegen, in der Familie, in der Nachbarschaft, in Ehrenämtern, in Mehrgenerationenprojekten
oder Vereinen - eben da wo das Leben sich abspielt.
Wenn Sie das Thema interessiert: Schauen Sie unter www.Experten-fuers-Leben.de im Internet oder fragen Sie bei uns in den Caritasdienststellen nach.
Birgitta Bauer Caritasgeschäftsführerin
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