Caritasverband für die Region Rhein-Hunsrück-Nahe - Simmern - Jahreskampagne 2010


http://www.caritas-simmern.de
Denkanstöße
Meditation
Visionen
Passage aus dem Korinther-Brief
Jahreskampagne 2010
Jahreskampagne 2009
Fixpunkt: Januar 2012
Fixpunkt: Herbst 2011
Fixpunkt: Frühjahr 2011
Fixpunkt: Advent 2010
Fixpunkt: Herbst 2009
Soziale Eiszeit
Denkanstöße
Liebe Leserinnen und Leser,

erinnern Sie sich an das Motto "Soziale Manieren", das im vergangenen Jahr die Jahreskampagne des Deutschen Caritasverbandes bestimmte? Damals waren vor allem durch Armut ausgegrenzte Menschen im Blick.
In diesem Jahr greift die Teilhabeinitiative eine neue Perspektive auf und stellt "Experten fürs Leben" in den Mittelpunkt.

Heutzutage wird viel von "Überalterung der Gesellschaft", vom demographischen Wandel oder der Rentnerrepublik geredet und geschrieben. Damit sind immer Belastung, Überforderung und zu hohe Kosten gemeint.
Dabei sprechen wir von Menschen, die z.B. unsere Demokratie, unser Gemeinwesen, unsere Vereinslandschaft, unsere Kirchengemeinden, unser Bildungswesen oder unsere Sozialsysteme aufgebaut haben. Welch eine einseitige, negative und ungerechtfertigte Sichtweise!
Die Caritaskampagne setzt einen Kontrapunkt dazu. Demnächst hängen an mehreren Gebäuden im Kreis große Plakate, auf denen ältere Menschen Sie anlächeln und sich Ihnen als Experten anbieten: für Lebensfreude, bei Lebenskrisen, für Sonntagsbraten oder bei Liebeskummer. Diese Experten suchen Rollstuhlschieber, Briefeschreiber, Zuhörer und Ausgehhilfen.
Das heißt also, Menschen, die etwas zu bieten haben, benötigen Unterstützung. Aber umgekehrt heißt dies auch, dass helfende Menschen etwas "zurückbekommen". "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst".All zu oft liegt das in den Plakaten angesprochene Erfahrungswissen brach.

Als uns die Kampagne vorgestellt wurde, habe ich gleich an meine beiden Großmütter gedacht. Beide waren Kriegerwitwen, beide haben ihre Kinder alleine großgezogen, beide haben lange in ärmlichen Verhältnissen gelebt und beide haben auf ihre Art und Weise ihr Leben "neu in die Hand genommen". Eine ist 82, die andere 93 geworden.
Ich habe von beiden sehr viel gelernt: Armer Ritter, Graupen- oder Rindfleischsuppe und Marmeladen kochen, Hefekuchen und Steinbackkofenbrot backen, Stricken, Häkeln, Sticken, Occhispitzen, Melodica- und Flöte spielen, Kegeln, Dichten, über die heilsame Wirkung von Humor, geriebenen Apfel, Zwiebeltee und Quarkwickeln, dass man Fallobst wunderbar verarbeiten kann, die Bedeutung von Familienzusammenhalt, Freundschaften und Reiselust, wie depressive Phasen und Krankheiten überwunden werden können, Bescheidenheit und Lebensfreude, dass das Leben nicht in geraden Bahnen verläuft und trotzdem lebenswert ist, dass die Liebe zu Menschen größer als alle Trauer sein kann, dass...

Und ein Satz aus dem Eifler Dialekt geht mir nie aus dem Kopf: "Ma doarf seich net begänn!" (Man darf sich nicht aufgeben). Natürlich prägt mich kaum jemand aus der älteren Generation wie die Großeltern. Da ist aber auch die Nachbarin, die mir Geschichten von früher erzählt und mir die "Haushalte" aus dem Dorf erklärt, so dass ich mich in meiner neuen Heimat ein wenig besser auskenne, oder der Nachbar, der mich darauf aufmerksam macht, wie ich am besten die Rosen beschneide, die dann plötzlich wieder herrlich blühen. Ich muss es nur zulassen, dass sie zu Experten für mein Leben werden!'
Und wenn ich dies zulasse, fällt es den Älteren auch leichter, sich von mir die Einkaufstüte tragen, die Mülltonne raus schieben oder die Blumen gießen zu lassen. Ältere Menschen sind Teil unserer Gesellschaft und sollen sich auch als solche erfahren, denn dabei sein ist alles.
Lassen sie uns aufeinander zu bewegen, in der Familie, in der Nachbarschaft, in Ehrenämtern, in Mehrgenerationenprojekten oder Vereinen - eben da wo das Leben sich abspielt.

Wenn Sie das Thema interessiert: Schauen Sie unter www.Experten-fuers-Leben.de im Internet oder fragen Sie bei uns in den Caritasdienststellen nach.

Birgitta Bauer
Caritasgeschäftsführerin