Caritasverband für die Region Rhein-Hunsrück-Nahe - Simmern - Fixpunkt: Frühjahr 2011


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Denkanstöße
Meditation
Visionen
Passage aus dem Korinther-Brief
Jahreskampagne 2010
Jahreskampagne 2009
Fixpunkt: Januar 2012
Fixpunkt: Herbst 2011
Fixpunkt: Frühjahr 2011
Fixpunkt: Advent 2010
Fixpunkt: Herbst 2009
Soziale Eiszeit
Denkanstöße
Liebe Leserinnen und Leser,

vielleicht ist Ihnen schon die diesjährige Jahreskampagne der Caritas www.kein-Mensch-ist perfekt.de aufgefallen. Sie zielt darauf ab, deutlich zu machen, dass nicht sichtbare Zeichen einer Behinderung, sondern die Gedanken und Träume einen Menschen ausmachen. So z.B. eine brünette Rollstuhlfahrerin, die mich freundlich von einem Plakat anlächelt und mitteilt, dass sie lieber blonde Haare hätte. Beim Stöbern der entsprechenden Caritas-Homepage ist mir folgende Geschichte aufgefallen:

"Sebastian Urbanski ist ein junger Mann Anfang 30. Die Caritas-Zeitschrift Sozialcourage zeigt ihn als Taxifahrer, Barkeeper, Ministrant, Journalist, Fußballer und Feuerwehrmann. Ein Mann mit Hobbys und Beruf. Nichts Besonderes. Eigentlich. Doch Sebastian Urbanski hat ein Down-Syndrom und das macht ihn für manche schon außergewöhnlich. So außergewöhnlich, dass die Pläne der Redaktion platzten, ihn auch anders zu zeigen - zum Beispiel als Polizist, Banker, Zugbegleiter und als Teilnehmer in einem Tanzkurs. Der Fotograf bekam eine Absage nach der anderen, als er nach passenden Orten für die Aufnahmen suchte: Solche Szenen seien zu provokativ. Sie entsprächen nicht der Realität. Oder: Das Vertrauen in den entsprechenden Beruf gehe verloren, wenn man einen geistig behinderten Menschen so abbilde. Man habe schließlich Verantwortung dem Bürger gegenüber. Oder: Der Mann sei ja nicht wirklich Mitarbeiter im Unternehmen und übe den Beruf nicht aus. Auch das nachgestellte Freizeitvergnügen musste ausfallen. Zehn Berliner Tanzschulen hatte der Fotograf angefragt. Alle sagten ab. Die Idee der Redaktion war einfach: Sie wollte den jungen Mann in alltäglichen Situationen zeigen. Denn solche Bilder sehen wir eben (noch) viel zu selten. Der Fotograf hat allen Unternehmen und Behörden die Absicht der Redaktion erklärt. Dennoch war ein Mann mit Down-Syndrom nicht willkommen."

Nun steht uns ja Fastnacht bevor; wie viele Menschen verwirklichen da ihre Träume und nehmen sich alle Freiheit der Welt heraus, diese ausgelassen zu feiern. Ich werde mich - wie seit über 35 Jahren - nicht verkleiden und auch nicht Andere bei ihren Umzügen beobachten. Aber ich frage mich, hat Sebastian Urbanski wenigstens an Fastnacht seine Chance, seine Träume zu leben, und wird er von der Tagespresse ins Bild gesetzt, und wie ist es mit all den Anderen? Wie realistisch ist es eigentlich für 99% der fastnachtsverkleideten "Otto-Normalbürger" und " Anneliese Musterfrauen", in Zukunft ihre Traumfiguren Krankenschwester, Sambastar oder Polizist zu realisieren? Ich finde es toll, dass sich jeder an Fastnacht quer an der Realität vorbei geben kann, aber warum durfte das Sebastian Urbanski für die Caritaskampagne nicht? Ich wünsche allen Fastnachtsbegeisterten unendlich viel Spaß und hoffe gleichzeitig, dass das selbstverständliche Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Menschen noch etwas mehr in den Köpfen ankommt.

Birgitta Bauer, Caritas-Geschäftsführerin