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Liebe Leserinnen und Leser,
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vielleicht ist Ihnen schon die diesjährige Jahreskampagne der Caritas www.kein-Mensch-ist perfekt.de aufgefallen. Sie zielt
darauf ab, deutlich zu machen, dass nicht sichtbare Zeichen einer Behinderung, sondern die Gedanken und Träume einen Menschen
ausmachen. So z.B. eine brünette Rollstuhlfahrerin, die mich freundlich von einem Plakat anlächelt und mitteilt, dass sie
lieber blonde Haare hätte. Beim Stöbern der entsprechenden Caritas-Homepage ist mir folgende Geschichte aufgefallen:
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"Sebastian Urbanski ist ein junger Mann Anfang 30. Die Caritas-Zeitschrift Sozialcourage zeigt ihn als Taxifahrer, Barkeeper,
Ministrant, Journalist, Fußballer und Feuerwehrmann. Ein Mann mit Hobbys und Beruf. Nichts Besonderes. Eigentlich. Doch Sebastian
Urbanski hat ein Down-Syndrom und das macht ihn für manche schon außergewöhnlich. So außergewöhnlich, dass die Pläne der Redaktion
platzten, ihn auch anders zu zeigen - zum Beispiel als Polizist, Banker, Zugbegleiter und als Teilnehmer in einem Tanzkurs.
Der Fotograf bekam eine Absage nach der anderen, als er nach passenden Orten für die Aufnahmen suchte: Solche Szenen seien
zu provokativ. Sie entsprächen nicht der Realität. Oder: Das Vertrauen in den entsprechenden Beruf gehe verloren, wenn man
einen geistig behinderten Menschen so abbilde. Man habe schließlich Verantwortung dem Bürger gegenüber. Oder: Der Mann sei
ja nicht wirklich Mitarbeiter im Unternehmen und übe den Beruf nicht aus. Auch das nachgestellte Freizeitvergnügen musste
ausfallen. Zehn Berliner Tanzschulen hatte der Fotograf angefragt. Alle sagten ab. Die Idee der Redaktion war einfach: Sie
wollte den jungen Mann in alltäglichen Situationen zeigen. Denn solche Bilder sehen wir eben (noch) viel zu selten. Der Fotograf
hat allen Unternehmen und Behörden die Absicht der Redaktion erklärt. Dennoch war ein Mann mit Down-Syndrom nicht willkommen."
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Nun steht uns ja Fastnacht bevor; wie viele Menschen verwirklichen da ihre Träume und nehmen sich alle Freiheit der Welt heraus,
diese ausgelassen zu feiern. Ich werde mich - wie seit über 35 Jahren - nicht verkleiden und auch nicht Andere bei ihren Umzügen
beobachten. Aber ich frage mich, hat Sebastian Urbanski wenigstens an Fastnacht seine Chance, seine Träume zu leben, und wird
er von der Tagespresse ins Bild gesetzt, und wie ist es mit all den Anderen? Wie realistisch ist es eigentlich für 99% der
fastnachtsverkleideten "Otto-Normalbürger" und " Anneliese Musterfrauen", in Zukunft ihre Traumfiguren Krankenschwester, Sambastar
oder Polizist zu realisieren? Ich finde es toll, dass sich jeder an Fastnacht quer an der Realität vorbei geben kann, aber
warum durfte das Sebastian Urbanski für die Caritaskampagne nicht? Ich wünsche allen Fastnachtsbegeisterten unendlich viel
Spaß und hoffe gleichzeitig, dass das selbstverständliche Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Menschen noch etwas
mehr in den Köpfen ankommt.
Birgitta Bauer, Caritas-Geschäftsführerin
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