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Aktuell: Alpenüberquerung
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Vom Alkohol zum Alpencross
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Alpenüberquerung per Mountainbike in sieben Tagesetappen
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Als Lothar Benzmüller die Strecke von Füssen im Allgäu bis ins italienische Riva mit dem Rad bewältigt hat, liegen sieben
Tagesetappen mit insgesamt 457 Kilometern hinter ihm. Die Alpen mit dem Rad zu überqueren - für geübte Mountainbiker eine
schon Herausforderung. Benzmüllers "Alpencross" im vergangenen Sommer wird durch seine Vorgeschichte zu einer außergewöhnlichen
Leistung.
Ein eigenartiges Gefühl in den Fußspitzen - eine Art Gefühllosigkeit - hatte Lothar Benzmüller vor kaum drei Jahren zum Arztbesuch
bewegt. "Neuropathie, Nervenschädigung in den Fußspitzen", diagnostizierte der Neurologe. Ohne Umschweife nannte der Facharzt
den Grund: Alkoholmissbrauch. "Im Beruf lief es eigentlich recht gut, und meine Welt schien in Ordnung", erinnert sich Benzmüller. Die Firma, in der er
30 Jahre gearbeitet hatte, suchte seit einigen Jahren neue Wege und folgte "Visionen". Umstrukturierungen, wechselnde Vorgesetzte,
immer neue Arbeitsweisen und -gebiete.All das und andere Einflüsse hatten wohl schleichend zu seiner Alkoholabhängigkeit beigetragen. "Klar, hin und wieder kam mir der Gedanke, dass ich weniger trinken sollte", blickt Lothar Benzmüller zurück. Die Einsicht,
Alkoholiker zu sein, habe er aber immer weit von sich gewiesen: "Ich kann jederzeit aufhören!"
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| Foto: Privat |
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Im Gespräch mit dem Hausarzt wurde ihm klar, dass er Hilfe von Profis brauchte. Die fand er bei der Suchthilfe der Bopparder
Caritas, mit deren Hilfe er eine Therapie begann. In jungen Jahren aktiver Rad-Amateur, erinnerte er sich nun an Trainingsfahrten,
Radrennen auf Bezirksebene und an seine damalige Fitness. "Mir war natürlich bewusst, die sportliche Leistung von vor drei Jahrzehnten nicht mehr bringen zu können, aber das Gefühl
und Wohlbefinden einer gewissen körperlichen und geistigen Kraft wollte ich wieder spüren", beschreibt Lothar Benzmüller.
"Mit einem Freund, der bereits zweimal einen Alpencross absolviert hatte, sprach ich über meinen Plan zu einer Alpenüberquerung,
rechnete allerdings mit einem lauten Lachen." Das Gegenteil war der Fall: Der Bekannte bestärkte ihn, und noch in der Reha begann der 55-Jährige mit der körperlichen Vorbereitung.
Während des Klinikaufenthaltes verringerte er sein Gewicht von bis dahin rund drei Zentnern um 13 Kilo. Die Trainingseinheiten
- zumeist Nordic Walking - wurden intensiver und länger. "Aus der Klinik entlassen, begann ich mit leichtem Mountainbike-Training und setzte meine Einheiten mit den 'Stöcken' fort.
Nach zwei Jahren hatte ich mein Gewicht um 27 Kilo reduziert und die Fitness kontinuierlich verbessert", resümiert Lothar
Benzmüller. "Nun war es soweit, und die Planung konnte beginnen."
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| Foto: Privat |
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Eine mittelschwere Strecke sollte ihn und seinen Bekannten von Füssen nach Riva führen. "Wohl wissend, dass meine Erfahrung
gleich Null und die Anforderung recht groß ist, stand diese Route für uns fest." Falls die sich für den eher ungeübten Mittfünfziger
als zu schwierig erwiesen hätte, oder Gesundheit oder Wetterbedingungen ihnen einen "Strich durch die Rechnung" gemacht hätten,
wären die beiden auf eine leichtere Variante ausgewichen. Diesen "Plan B" brauchte es nicht. Am 23. Juni dieses Jahres ging es los in Richtung der Königsschlösser und Neuschwanstein.
"Ich war gespannt auf den ersten Anstieg, der laut Beschreibung schon ordentlich zur Sache gehen sollte. So war es auch: Für
mich das erste kurze Schiebestück", verrät Benzmüller. Er müsse wohl nicht ausdrücklich erwähnen, dass ihm mit dem acht Kilo schweren Rucksack auch auf den sechs anschließenden
Etappen einige Meter des Schiebens nicht erspart blieben, verrät er augenzwinkernd. "Ich konnte nicht alle Steigungen fahren
und schob ein wenig mehr als mein Mitstreiter. Aber zu keiner Sekunde habe ich daran gedacht aufzuhören."
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| Foto: Privat |
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Zudem habe er den optimalen Partner auf der über 450 Kilometer langen Tour gehabt; der trainierte Sportler habe die nötige
Erfahrung besessen und sei zudem bereit gewesen, das Vorhaben trotz der sehr unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam anzugehen. Der Zeitplan der beiden Mountainbiker verzögerte sich nur unwesentlich: "Mein Körpergewicht erschwert den Aufstieg in die
Berge, erweist sich in der Abfahrt aber als Vorteil. Mit rasender Geschwindigkeit ließen wir es die Pässe hinunter so richtig
laufen", erzählt Lothar Benzmüller mit spürbarer Begeisterung. Trotz unwesentlicher Verzögerungen blieben die beiden Mountainbiker so über die Woche recht gut in ihrem Zeitplan. Nach einer
weiteren schnellen Abfahrt am letzten Tag erreichten sie Riva am Gardasee. "Ich konnte es noch nicht fassen, dass ich wirklich
meinen Plan umgesetzt und das für mich scheinbar Unmögliche erreicht hatte: Ich hatte die Alpen mit eigener Muskelkraft überquert,
obwohl die Umstände nicht gerade optimal zu sein schienen!"
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| Foto: Privat |
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Wichtig findet Lothar Benzmüller, Rückhalt zu haben, aber eben auch zu geben. Im Privatleben ist das die Solidarität seiner
Lebensgefährtin, mit der er seit rund 15 Jahren verbunden ist. Nachdem Benzmüller bei der Caritas in Boppard zunächst selbst eine Anlaufstelle fand, engagiert er sich dort inzwischen ehrenamtlich
in einer Betroffenengruppe. Details zur Beratungs- und Gruppenarbeit der Caritas Boppard nennt Sucht- und Drogenberater Franz Siemen unter Telefon 06742/87860
oder per E-Mail: info@caritas-boppard.de.
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| Lothar Benzmüller und sein Mitstreiter |
| Foto: Privat |
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