|
Liebe Leserinnen und Leser,
wir befinden uns am Anfang des Jahres 2012. Der gute Brauch der "Neujahrswünsche" wird gehegt und gepflegt. Es freut mich
immer, wenn dieser Wunsch mir von Herzen entgegengebracht wird. Genauso gerne bringe ich die Wünsche "an den Mann" oder "an
die Frau". Und trotzdem bemerke ich diesbezüglich eine Unsicherheit: Was ist eigentlich angebracht? Was soll ich wünschen:
ein FROHES. ein ERFOLGREICHES. ein TRAUMHAFTES. ein GUTES. ein GESUNDES Neues Jahr? Ich versuche, dies so gut es geht dem
jeweiligen Menschen "angemessen" zu machen. Bei einer Gruppe von Menschen bin ich mir allerdings ganz sicher, dass ich ihnen ein GESUNDES Neues Jahr wünsche: Menschen,
die in Armut leben. Hiermit greife ich die Jahreskampagne des Deutschen Caritasverbandes auf: "Armut macht krank", oder auch
Jeder-verdient-Gesundheit.de. Wo es an Einkommen, Perspektiven und Bildung fehlt, ist Krankheit ein häufiger Begleiter. Dies
betrifft 15,6% der Gesamtbevölkerung in Deutschland. Vor allem Haushalte, in denen Kinder leben, sind betroffen. Frauen im
unteren Einkommensbereich sterben im Durchschnitt acht Jahre, Männer sogar elf Jahre früher als Menschen aus den höchsten
Einkommensgruppen. Arme Menschen sind verletzbarer: Sie werden häufiger und länger krank, sie arbeiten an Plätzen mit höherer
Gesundheitsgefährdung, Existenzsorgen verursachen ihnen Stress, sie sind häufiger chronisch krank, leiden z.B. vermehrt an
Herzinfarkt, Bronchitis, Diabetes, Hör- und Sehstörungen sowie Depressionen. Dies sind statistisch gesicherte Fakten - und
gleichzeitig regt sich vielleicht auch Widerspruch: "Aber wir haben doch die Krankenversicherung, und anderswo ist die Fürsorge
des Staates nicht so großzügig, und ich kenne da jemand, der raucht. und.hockt nur vorm Fernseher.und.".Beim Austausch solcher
Argumente und Positionen ist mir immer wieder die Besinnung auf Jesus hilfreich: Er war parteiisch und kein Freund distanzierter
Abwägungen. Er bezog bei Kranken und Armen für diese Position. Ihm ging es um Umkehr. Er legte den Finger in die Wunde, konfrontierte
die Gesunden und Reichen mit ihren Grenzen, ihren Unzulänglichkeiten und verwies auf Nächstenliebe und Solidarität. Zahlreiche
Geschichten in der Bibel legen hiervon Zeugnis ab. Ich finde, sie sind eine Art Prüfung für mich selbst, für unsere Kirchen
und für unser von der christlichen Soziallehre geprägtes Sozial- und Gesundheitssystem. Jesus würde auch in Deutschland im
Jahre 2012 häufig Brücken zwischen Arm und Reich bauen müssen. Vielleicht gelingt es mir, Ungerechtigkeiten zu erkennen und
das eine oder andere Mal aus Solidarität Position zu beziehen. Und vielleicht haben auch Sie eine Idee, wie Sie sich solidarisch
zeigen können. In diesem Sinne für uns alle ein GESUNDES Jahr 2012!
Birgitta Bauer Caritas-Geschäftsführerin
|
|